Vier für Offenbach (Kandidaten zur Oberbürgermeister-Wahl)

Ich fasse hier die Podiumsdiskussion der 4 Kandidaten zur OB-Wahl Offenbachs (Veranstaltung der IHK Offenbach am 9.8.2011 im Deutschen Wetterdienst) zusammen – wie ich sie wahrgenommen habe:

Peter Freier (CDU) will die Probleme Offenbachs auf der Einnahmen-Seite lösen: mehr Gewerbeansiedlung, mehr Gewerbesteuer. Diese Idee ist nicht gerade neu und wird wohl mehr oder weniger von allen Kommunalpolitikern in allen Städten verfolgt. Um so enttäuschender war dann, dass Herr Freier kein wirklich überzeugendes Konzept vorlegen konnte, wie er denn genau in diesem harten Wettbewerb der Städte überhaupt punkten wolle.

Uwe Kampmann (freier Kandidat) erläuterte in maßloser Selbstüberschätzung, wie wenig er über Kommunalpolitik weiß, dass dies aber genau eine wichtige Eigenschaft für einen Oberbürgermeister sei. So stelle ich mir die Personifizierung von Stammtischsprüchen vor. Der Auftritt war einfach nur peinlich.

Horst Schneider (SPD) wirkte souverän und kompetent. Neben präziser Kenntnis der Zwänge und Möglichkeiten kommunaler Verwaltung, konnte er als einziger überzeugend darlegen, auch eine langfristige Strategie und Vision für Offenbach zu verfolgen.

Birgit Simon (Grüne) wirkte kompetent und überzeugend, zumindest was das Kindergarten- und Schulwesen sowie die Rathausverwaltung angeht – alle anderen Themen jedoch wurden von ihr meist auf jeweils eines dieser drei herunter gebrochen. Im Tenor bekam man von ihr, statt einer kraftvollen Vision, die resignierte Akzeptanz einer Mangelverwaltung zu hören bzw. zu spüren.

Eingemeindung Frankfurt-Offenbach

Während Ortsfremde nach einem kurzen Blick auf den Stadtplan meist umgehend die Frage nach einer Eingemeindung Frankfurt-Offenbach einwerfen, wurde hierüber während der Podiumsdiskussion nicht laut nachgedacht – weder von den Kandidaten noch im Publikum. Peter Freier beließ es bei einem unerläuterten Postulat eines „eigenständigen Offenbachs”. Horst Schneider forderte hinsichtlich der ungerecht verteilten Einnahmen und Lasten der einzelnen Kommunen im Ballungsraum Frankfurt (Stichworte wären beispielsweise: Gewerbesteueroasen wie Eschborn oder die Tatsache, dass der Flughafen Frankfurt seine Gewerbesteuer ausschließlich an Frankfurt abführt) eine stärkere Berücksichtigung von Wirtschaftsräumen („Regionalkreis Frankfurt”) in kommunalen Gliederungen – angesichts der Tatsache, dass die heutigen Gemeinde-, Städte- und Kreisgliederungen noch weitgehend mittelalterliche Wirtschafts- und Machtverhältnisse widerspiegeln, ein sinnvoller Ansatz für eine Regionalreform.

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Marc Stenzel

Über Marc Stenzel

Marc Stenzel ist Inhaber der New Media Agentur media deluxe sowie freiberuflich als Marketing- und Projektmanager Online, Dozent und Fachjournalist (DFJV) tätig. Marc Stenzel bloggt hier über aktuelle Themen aus dem fachlichen und räumlichen Umfeld des Unternehmens - mal sachlich, mal humorvoll:
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